«Junger Herr besuchte mich regelmässig im Laden»

Lebensgeschichte Maria Scheiwiller

Am 8. Dezember 1929 geboren und das jüngste von vier Kindern. Mit meinen zwei Brüdern und meiner Schwester verbrachte ich meine Kindheit auf einem Bauernhof in Goldach. Nach meiner Primarschulzeit durfte ich im Töchterinstitut «Stella Maris» in Rorschach die Oberstufe besuchen. Den Schulweg bestritt ich entweder mit dem Fahrrad oder mit dem Töffli.

Die Molkerei Kündig in Rorschach ermöglichte mir die zweijährige Ausbildung zur Lebensmittelver-käuferin bei ihnen anzutreten. Nach meiner Berufslehre durfte ich weiterhin als Verkäuferin und später als Filialleiterin im Kaisers Kaffee Geschäft arbeiten (Supermarktkette). Diesem Arbeitgeber blieb ich lange treu, weil mir die Arbeit dort sehr gefiel. Auch durfte ich sogar in Davos als Aushilfe unterstützen.

Nicht unbemerkt blieb mir, dass stets und in regelmässigen Abständen ein junger Herr den Laden besuchte. Wie sich etwas später herausstellte, bewohnte er ein Zimmer in Rorschach, da er bei der Bahn beschäftigt war. Nach vielen Begegnungen und «Einkäufen» entwickelte sich Liebe. So durfte ich meinen zukünftigen Ehemann in meinem Leben wissen. Unser Glück krönte die Geburt unseres Sohnes.

Nach der Geburt unseres Kindes blieb ich dem Verkauf auf Stundenlohn-Basis erhalten. Das Bedienen, Beraten, Einpacken und der persönliche Kontakt mit meinem Mitmenschen erfüllte mich und war meine grosse Leidenschaft. Diese Erinnerungen lassen mich einfach nur strahlen!

Meine Geschwister blieben dem Bauernhof treu… Ich auf einem Bauernhof wohnhaft? Ein Ding der Unmöglichkeit und für mich unvorstellbar. Der Stallgeruch gehörte nie zu meinen Lieblingsdüften. Nichtsdestotrotz half ich stets fleissig auf dem Hof mit, einfach nicht im Stall. Ich unterstützte auf dem Feld, beim Obsten, Heuen usw.

An die Worte meiner Schwester damals erinnere ich mich gut: «Also Maria, solltest du einen Bauern heiraten, dann lache ich zwei Wochen lang…». Meine Antwort: «Dann beginn doch gleich jetzt mit deinem Lachen…».

Die Zeit im Betagtenzentrum Schwalbe gestalte ich mit Stricken von Socken, welche ich anschliessend gerne verschenke und anderen eine Freude damit bereite. Das Stricken brachte mir meine ältere Schwester bei und das schon vor meinem Schuleintritt.

Was ich an meinem Alltag besonders mag, sind Besuche und die Gespräche mit ihnen.

Besonders hat mich der Besuch für genau dieses Gespräch, mein Interview, gefreut!

Dieses Gedicht halte ich mir sehr gerne vor Augen:
«Nimm das Leben wie es ist, denke nicht, so könnte es sein. Fluche keiner deiner Tage was du tragen musst, ertrage alles was dir je begegnet, segne und du wirst gesegnet.»

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