«An den Wochenenden half ich in einem Hotel in Caoux in der Küche aus, obwohl ich gar nicht kochen konnte.»

Lebensgeschichte Silvia Kellenberger

Silvia Kellenberger

Ich heisse Frau Silvia Kellenberger und wurde am 15.11.1929 in Flawil geboren. Als ältestes von drei Kindern wuchs ich mit meinen Eltern in der „Reitgass“ auf. Mein Vater war in den 30er Jahren gelernter Stickerei-Zeichner und arbeitete in der Flawa. Durch den Krieg entfiel die Zusammenarbeit mit dem Ausland und das Geld wurde knapp. Deshalb wohnten wir mit der Grossmutter unter einem Dach, hatten jedoch unsere eigenen vier Wände.

Nach acht Schuljahren arbeitete ich im Haushalt. Ich unterstützte während zwei Jahren eine Familie mit Kindern. 1946 wechselte ich die Arbeitsstelle und zog nach Lausanne. An der Seite meine Tante arbeitete ich in der Wäscherei eines Schülerheims. Nebenbei lernte ich Französisch und bildete mich weiter, indem ich französische Bücher las. Das Schreiben brachte mir eine Freundin bei, die mir französische Lieder diktierte.

1946 bis 1950 half ich an den Wochenenden in einem Hotel in Caoux in der Küche aus, obwohl ich gar nicht kochen konnte. Manchmal gaben mir die Gäste selbst Anweisungen, wie ich ihre Gerichte kochen sollte.

In Caoux lernte ich eine englische Familie kennen. 1951 fuhr ich mit ihr nach Holland und kümmerte mich dort um den Haushalt und um die zwei Kinder. Nach drei Jahren kehrte ich wieder nach Caoux zurück und kochte im Kongresshaus. Da die Küchencrew aus gelernten und ungelernten Köchen zusammengesetzt war, teilten wir die Arbeit nach unseren Fähigkeiten auf. Da die Arbeit stets im Vordergrund stand, hatte ich auch keinen Freund.

Nach einer Anstellung in Bern zog es mich wieder zurück nach Flawil. Dort arbeitete ich in der Stickerei Näf AG. Um meine Eltern finanziell unterstützen zu können, wohnte ich bei ihnen im Elternhaus.

Nach einem Schlaganfall meiner Mutter, wurde ich noch mehr gebraucht.

Fünf Jahre später verstarb dann meine Mutter. In dieser schweren Zeit war ich stets für meinen Vater da, arbeitete aber gleichzeitig in der Stickerei. Um mich zu erholen, widmete ich mich in der Freizeit der Bauernmalerei, dem Stricken, dem Basteln und der Gartenarbeit.

Als mein Vater starb, bezog ich alleine eine Wohnung an der Bahnhofstrasse. Mit der Zeit machte mir mein Rücken immer mehr Probleme. Eine Bandscheibenoperation wurde unumgänglich. Nach einem Wirbelbruch 2015 ging es mir nicht mehr gut. Noch im Spital stellte ich fest, dass ich mit meinem Gebrechen nicht mehr alleine wohnen kann.

Ich zog deshalb ins Ferienbett des Altersheims Espel. Mit der Umstrukturierung in Gossau, wurde das Altersheim Espel aufgelöst. Seither wohne ich in einem Einzelzimmer im Betagtenzentrum Schwalbe.

Mir gefällt es hier sehr gut. Nur manchmal vermisse ich die weite grüne Landschaft.

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