«Mathematik war in der Schule mein liebstes Fach.»

Lebensgeschichte Albert Eigenmann

Ich wurde am 11. November 1935 geboren und wuchs als das 13. von 16 Kindern in einer grossen Familie auf. Mit acht Buben und acht Mädchen war bei uns immer etwas los. Unser Zuhause war ein Bauernhof in Engelburg, wo ich von klein auf in die Landwirtschaft hineingewachsen bin.

Drei Jahre meines Lebens arbeitete ich als Knecht im Sonnental in Engelburg. Diese Zeit war prägend, aber der Grossteil meines Lebens verbrachte ich auf unserem Hof. Dort hatte ich die Freiheit und die Verantwortung, die mit einem solchen Leben einhergehen.

Zusammen mit meinem Bruder kümmerte ich mich um 30 Bienenvölker. Die Bienenzucht war eine unserer Leidenschaften. Wir ernteten den Honig und verkauften ihn in St. Gallen. Mit dem Handwägeli, zu Fuss oder mit dem Bus brachten wir die Honiggläser in die Stadt. Ein 500-Gramm-Glas Honig kostete damals 10 Franken, und wir boten sowohl Blüten- als auch Waldhonig an. Diese Tätigkeit war nicht nur eine Einnahmequelle, sondern auch eine Verbindung zur Natur und zu den Jahreszeiten.

Meine liebste Arbeit auf dem Hof war das Melken der Kühe. Wir hatten 17 Kühe, und es war immer eine befriedigende Aufgabe, sich um sie zu kümmern und den frischen Milchgeruch in der Morgenluft zu riechen. Neben den Kühen hatten wir auch drei Mutterschweine. Einmal hatten wir einen besonders grossen Wurf mit 13 Ferkeln, und alle überlebten – das war ein echtes Ereignis und ein kleines Wunder für uns.

Der Wald war ein Ort, den ich sehr mochte. Es war immer schön, dort Zeit zu verbringen, sei es um Holz zu holen oder einfach nur die Ruhe und die Natur zu genießen. Der Wald bot einen wunderbaren Ausgleich zur oft harten und unermüdlichen Arbeit auf dem Feld und im Stall.

Vor etwa 20 Jahren musste ich den Bauernhof aufgeben, da die Arbeit zu schwer wurde. Der Hof wurde verkauft, und ich zog in ein neues Haus im Dorf. Das war eine grosse Umstellung, aber es war auch eine neue Phase in meinem Leben.

Mein Lieblingsfach in der Schule war immer Mathematik. Zahlen hatten für mich etwas Faszinierendes und Logisches, und ich konnte Stunden damit verbringen, Probleme zu lösen und mathematische Rätsel zu knacken. Diese Leidenschaft hat mich mein ganzes Leben lang begleitet.

Seit nunmehr neun Jahren lebe ich hier im Heim. Die körperliche Arbeit wurde mit der Zeit zu anstrengend, aber ich blicke mit Freude und Stolz auf die vielen Erinnerungen zurück, die ich auf unserem Hof gesammelt habe. Das Leben hier ist anders, aber es gibt mir die Ruhe und die Gemeinschaft, die ich brauche. Die Erinnerungen an meine Zeit als Bauer in Engeburg werden immer ein wertvoller Teil meines Lebens bleiben.